Von Leipzig nach Südkorea
Von Leipzig nach Südkorea
Meine Verbindung zur internationalen Kunstszene – vom teilnehmenden Künstler zum Jury-Mitglied.
Wenn ich heute auf meine Verbindung zur südkoreanischen Kunstszene zurückblicke, hätte ich 2023 wahrscheinlich nicht gedacht, wohin mich diese Reise einmal führen würde.
Damals wurde ich zum ersten Mal eingeladen, eines meiner Gemälde bei einer internationalen Kunstausstellung in Südkorea zu zeigen. Für mich war das eine besondere Erfahrung. Als Künstler die Möglichkeit zu bekommen, ein eigenes Werk in einem Museum auf der anderen Seite der Welt auszustellen, ist etwas, das man nicht einfach als selbstverständlich betrachtet.
Heute, drei Jahre später, hat sich daraus eine ganz neue Situation entwickelt: Ich nehme nicht nur als Künstler an der Ausstellung teil, sondern wurde in diesem Jahr auch als Jury-Mitglied eingeladen. Damit darf ich selbst Künstlerinnen und Künstler auswählen und ihnen die Möglichkeit geben, ihre Werke in Südkorea zu präsentieren.
Ein Gemälde wird von einem Jury-Mitglied ausgewählt – der Beginn der Verbindung.
Jedes Jahr ein neues Werk nach Südkorea – ein fester Teil des künstlerischen Austauschs.
Erstmals selbst in der Jury – neun Künstlerinnen und Künstler weltweit ausgewählt.
Eine internationale Ausstellung auf Geoje
Die Ausstellung findet im Haegeumgang Theme Museum auf der Insel Geoje in der südkoreanischen Provinz Süd-Gyeongsang statt.
Das Museum wurde 2016 gegründet und widmet sich der Verbindung von koreanischer Tradition und zeitgenössischer Kunst. Für mich ist es ein besonderer Ort, weil dort Künstlerinnen und Künstler aus unterschiedlichen Ländern und mit sehr unterschiedlichen künstlerischen Ausdrucksformen zusammenkommen.
Vom 1. Oktober bis zum 25. Dezember 2026 werden dort Werke von mehr als 400 Künstlerinnen und Künstlern aus verschiedenen Ländern präsentiert.
Ich finde es immer spannend zu sehen, wie unterschiedlich Kunst wahrgenommen und geschaffen wird. Jeder Künstler bringt seine eigene Geschichte, seine Kultur und seine persönliche Sichtweise mit. Gerade dieser internationale Austausch macht solche Ausstellungen für mich besonders interessant.
Wie alles 2023 begann
Meine eigene Verbindung zu dieser Ausstellung begann im Jahr 2023. Damals wurde eines meiner Gemälde von einem Jury-Mitglied für die Teilnahme ausgewählt. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt nicht damit gerechnet, dass sich daraus eine längerfristige Verbindung entwickeln würde.
Ich habe mich einfach darüber gefreut, mein eigenes Werk in einem Museum in Südkorea zeigen zu dürfen. Seitdem habe ich jedes Jahr ein Gemälde für die Ausstellung nach Südkorea geschickt. Für mich war es eine schöne Möglichkeit, meine Kunst einem internationalen Publikum zu zeigen und gleichzeitig Teil eines größeren künstlerischen Austauschs zu sein.
2026 hat sich meine Rolle nun verändert. Ich wurde selbst als Jury-Mitglied eingeladen und durfte Künstlerinnen und Künstler aus verschiedenen Ländern für die Teilnahme auswählen.
Meine Auswahl: unterschiedliche Künstler, unterschiedliche Stile
Bei meiner Auswahl war mir vor allem eines wichtig: Vielfalt. Ich wollte Künstlerinnen und Künstler auswählen, die unterschiedliche Stile und Perspektiven vertreten. Kunst lebt für mich auch davon, dass nicht alles gleich aussieht und nicht jeder Künstler dieselbe Sprache spricht.
Insgesamt habe ich neun Künstlerinnen und Künstler aus verschiedenen Ländern ausgewählt. Darunter sind Positionen aus Deutschland, der Ukraine, den USA, Bosnien und Herzegowina sowie Russland. Ich bin stolz auf jede einzelne Auswahl, weil jede dieser künstlerischen Positionen etwas Eigenständiges mitbringt.
Drei Künstlerinnen möchte ich hier stellvertretend vorstellen.
Arbeitet an der Schnittstelle zwischen Symbolik und erzählerischer Figuration. In ihren Werken entstehen imaginierte Räume, in denen menschliche und anthropomorphe Figuren miteinander in Beziehung treten. Ihre Arbeiten wurden bereits international gezeigt und befinden sich in zahlreichen privaten und institutionellen Sammlungen.
Für die Ausstellung in Geoje präsentiert sie das Werk „Studio 99“ – ein Innenraum, in dem Mensch und Tier in besonderer Verbindung stehen. Der Titel verweist auf einen Fernsehsender aus ihrer Kindheit und die Erinnerung an eine Welt, die damals weit entfernt und unerreichbar schien.
Mit 84 Jahren gehört sie zu den erfahrensten Künstlerinnen meiner Auswahl. Zwischen 1990 und 1996 studierte sie Malerei bei der amerikanischen Konstruktivistin Constance Irene Murdock in Köln – der Konstruktivismus prägt seitdem ihre künstlerische Arbeit. Ihre Werke wurden unter anderem in Wien, Antwerpen und Amsterdam gezeigt.
Für Südkorea wurde ihr Werk „3 BaumKoalas“ ausgewählt, das handgezeichnete Muster mit zeitgenössischem Ausdruck verbindet. Drei Koalas teilen sich einen Baum – für mich ein Sinnbild für Zusammengehörigkeit und Verbundenheit, das sehr gut zu einer internationalen Kunstausstellung passt.
Verbindet in ihrer Malerei emotionale Ausdruckskraft mit einer sensiblen Auseinandersetzung mit menschlichen Beziehungen.
Ihr Werk „Love Beyond Time“ zeigt einen stillen Moment zwischen einem Mädchen und einer Kuh, inspiriert vom slawischen Märchen „Havroshechka“, in dem die Kuh das einzige Wesen ist, das sich wirklich um das Mädchen kümmert. Mich berührt an diesem Werk besonders die stille Verbindung zwischen den beiden Figuren – Vertrauen, Nähe und Fürsorge, Themen, die unabhängig von Sprache und Herkunft verstanden werden können.
Mein eigenes Werk: „The Invitation“
Auch ich selbst bin in diesem Jahr wieder mit einem eigenen Werk bei der Ausstellung vertreten. Mein Gemälde trägt den Titel „The Invitation“ und ist 120 × 80 cm groß. Es entstand 2026 und wurde mit Acryl auf Leinwand gemalt – und gehört zu meinen persönlichen Favoriten.
Im Mittelpunkt steht eine Figur, die an einen Narren erinnert. Die Arme weit geöffnet, scheint sie den Betrachter direkt einzuladen. Hinter ihr entsteht eine bewegte Welt aus Farben, Gesichtern, Schatten und Eindrücken. In der Hand hält die Figur eine Puppe, die auf das Thema der Maske verweist.
Für mich stellt das Gemälde die Frage, was sich hinter den Rollen verbirgt, die wir im Leben einnehmen. Welche Seite von uns zeigen wir anderen? Und was bleibt verborgen?
Eine Einladung nach Südkorea
In diesem Jahr wurde ich persönlich nach Südkorea eingeladen, um an der Ausstellung teilzunehmen. Leider werde ich die Reise 2026 nicht selbst antreten können – die aktuellen Umstände und die damit verbundenen hohen Reisekosten haben diese Entscheidung beeinflusst.
Trotzdem freue ich mich sehr, dass mein eigenes Werk in der Ausstellung vertreten sein wird und ich gleichzeitig als Jury-Mitglied an der Auswahl anderer Künstlerinnen und Künstler beteiligt sein durfte. Auch wenn ich dieses Jahr nicht persönlich vor Ort sein kann, bleibt die Verbindung zu dieser Ausstellung für mich etwas Besonderes.
Von der Teilnahme zur Jury
Wenn ich an das Jahr 2023 zurückdenke, als zum ersten Mal eines meiner Gemälde für eine Ausstellung in Südkorea ausgewählt wurde, fühlt sich meine heutige Rolle als Jury-Mitglied wie ein besonderer nächster Schritt an. Damals war ich der Künstler, der die Chance bekommen hat, sein Werk in einem Museum in Südkorea zu zeigen. Heute darf ich selbst anderen Künstlerinnen und Künstlern diese Möglichkeit eröffnen.
Für mich ist genau das eine der schönsten Seiten dieser Entwicklung. Kunst lebt vom Austausch. Sie verbindet Menschen, Länder und Kulturen – auch dann, wenn die Menschen unterschiedliche Sprachen sprechen und aus ganz verschiedenen Teilen der Welt kommen.
Die Ausstellung in Geoje ist für mich deshalb mehr als nur eine weitere internationale Ausstellung. Sie steht für eine Verbindung, die vor einigen Jahren mit einem einzelnen Gemälde begonnen hat und sich inzwischen weiterentwickelt hat.
Von Leipzig nach Südkorea – und vielleicht ist dies erst der Anfang einer noch längeren künstlerischen Reise.
Geoje International Art Festival
1. Oktober – 25. Dezember 2026 · Haegeumgang Theme Museum, Geoje, Südkorea